Grussworte
Grusswort Prof. Dr. Christian Ohmann

Ohne Innovationen gibt es keinen medizinischen Fortschritt. Es ist
daher ein Verdienst von forschender Industrie und Wissenschaft
laufend neue Diagnose- und Therapieverfahren zu entwickeln.
Dem Interesse solche Innovationen möglichst frühzeitig für einen
Einsatz in der Krankenversorgung zu propagieren steht die Notwendigkeit gegenüber durch regulierte evidenzbasierte Prozesse
mit definierten Schritten echte Innovationen mit gesichertem
(Mehr-)Nutzen herauszufiltern. Der Prozess des Innovationstransfers läuft jedoch nicht reibungslos ab. Nachgewiesenermaßen gelangt nur ein Bruchteil von Innovationen überhaupt oder
verspätet in die Versorgung; umgekehrt finden Technologien
Anwendung, deren Nutzen nicht nachgewiesen ist oder deren
Anwendung mit einem möglichen Schaden einhergehen kann. Die
Rolle der klinischen Forschung in diesem Prozess ist klar, soll sie
doch Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Innovationen unter Studienbedingungen nachweisen.
Dies alleine reicht nicht aus, gilt es doch zu hinterfragen, inwieweit die Ergebnisse der klinischen
Forschung in die klinische Praxis übertragen werden können. Hier kommt die Versorgungsforschung ins Spiel. Sie ist aufgefordert mit geeigneten Methoden Wirksamkeit, Sicherheit und
Nutzen von Innovationen in der klinischen Routine nachzuweisen. Dabei gilt es insbesondere
patientenseitige, professionelle, organisatorische und systembedingte Faktoren zu berücksichtigen,
die die Implementierung von Innovationen beeinflussen.
Der diesjährige VII. Deutsche Kongress für Versorgungsforschung hat sich dieser wichtigen und
aktuellen Problematik mit seinem Leitthema „Innovationstransfer: Von der Forschung zum Patienten“ angenommen. Nicht zuletzt durch verschiedene Fördermaßnahmen hat in den letzten
Jahren die Versorgungsforschung in Deutschland eine wesentliche Aufwertung erfahren. Dies darf
aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der tatsächliche Bedarf bei weitem nicht gedeckt ist.
Förderkonzepte und -programme unter Einbeziehung aller Beteiligten des Gesundheitswesens sind
dringend notwendig. Die wissenschaftliche Reputation und Akzeptanz von Versorgungsforschung
steckt immer noch in den Kinderschuhen, und muss – ähnlich wie bei der klinischen Forschung –
dringend verbessert werden.
Der diesjährige Kongress soll dazu dienen, das Profil der Versorgungsforschung und ihr spezifisches
Aufgaben- und Methodenspektrum weiter zu schärfen. Interdisziplinär konzipiert und an
einem Leitthema orientiert soll die grundlegende und komplementäre Bedeutung der Versorgungsforschung herausgearbeitet werden.
Wir freuen uns über Ihre Teilnahme an dem Kongress und wünschen Ihnen spannende, kommunikative
und erkenntnisreiche Tage.
Prof. Dr. Christian Ohmann
Tagungspräsident
Grusswort Dr. Klaus Theo Schröder

Die Versorgungsforschung ist eine Wissenschaft mit einer hohen
gesellschaftlichen Relevanz. Medizinisch-technischer Fortschritt
auf der einen Seite und demographischer Wandel plus knappe
finanzielle Ressourcen auf der anderen Seite machen dies deutlich
und zeigen an, dass der Bedarf an Versorgungsforschung und
damit ihre Bedeutung in Zukunft noch weiter steigen wird. Im
Mittelpunkt stehen dabei Fragen wie sie der VII. Deutsche Kongress für Versorgungsforschung formuliert: Wie kann der Transfer
von neuen Diagnose- und Therapieverfahren in die Krankenversorgung verbessert werden? Wie kann erreicht werden, dass nur
solche Innovationen in die Krankenversorgung Eingang finden, die
einen verlässlichen Mehrwert besitzen und damit tatsächlich die
Versorgungssituation optimieren? Wo gibt es Hemmnisse, die im
Sinne einer optimalen Versorgung den Transfer erschweren?
Welche Rolle kommt Leitlinien beim Transfer in den Versorgungsalltag zu?
Da sich die Versorgungsforschung mit komplexen Geschehen befasst, ergibt sich für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein breites Spektrum inhaltlicher Fragestellungen und methodischer
Verfahrensweisen. Um das Versorgungsgeschehen und seine Strukturen analysieren zu können,
sind insbesondere Routinedaten erforderlich, die bislang nur unzureichend verfügbar sind.
Insofern hoffe ich, dass in dem Track "Methodik" und den methodischen Kursen im Vorprogramm
Erkenntnisse gewonnen werden, die die Methodenentwicklung fördern.
Die Versorgungsforschung hat in diesem Jahr in Deutschland weiter an Aufmerksamkeit und Bedeutung gewonnen. Darauf lassen verschiedene Fachgespräche und Veranstaltungen angefangen
von der Deutschen Forschungsgemeinschaft über das Bundesministerium für Bildung und Forschung und den Bundesverband der Medizintechnik bis hin zum Deutschen Kongress für Versorgungsforschung schließen. Es kommt nun darauf an, der Versorgungsforschung auch finanziell
einen Schub zu geben, damit sie in der Förderung mittelfristig mit der klinischen Forschung gleichziehen
kann. Das Bundesministerium für Gesundheit wird sich daher für eine bessere Berücksichtigung der Versorgungsforschung im Rahmen des gemeinsam mit dem Bundesministerium für
Bildung und Forschung getragenen Gesundheitsforschungsprogramms einsetzen. In der Vergangenheit konnten im Rahmen der Projektförderung an zahlreichen universitären und außeruniversitären
Standorten Strukturen in der Versorgungsforschung etabliert werden. Diese gilt es zu verstetigen
und auszubauen, auch um die Versorgungsforschung international sichtbarer zu machen.
Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des VII. Kongresses für Versorgungsforschung wünsche ich
interessante Gespräche und eine an neuen Erkenntnissen reiche Tagung. Mögen vom Deutschen
Kongress für Versorgungsforschung wichtige Impulse für diesen noch jungen Wissenschaftszweig
ausgehen.
Dr. Klaus Theo Schröder
Staatssekretär des Bundesministeriums
für Gesundheit
Grusswort Prof. Dr. Dr. h.c. Peter C. Scriba

Versorgungsforschung fragt, wie viel vom theoretisch möglichen
Optimum des Netto-Nutzens für den einzelnen Patienten oder für
Populationen unter Alltagsbedingungen eigentlich erreicht wird
und wie die Situation verbessert werden könnte. Versorgungsforschung ist die wissenschaftliche Evaluation der Ergebnisse aller
Handelnden im Gesundheitswesen einschließlich der Kranken
und wohl auch der Gesunden, wenn Prävention und Gesundheitsförderung einbezogen werden.
Nach Jahrzehnten der eigenen Arbeit für Grundlagenforschung
(Biochemie), für krankheitsorientierte, translationale und patientenorientierte,
klinisch-evaluative Forschung resultiert meine späte
Beschäftigung mit der Versorgungsforschung aus der Überzeugung, dass bessere Daten zur Versorgung dem Qualitätsmanagement ein erhebliches Potential für zusätzlichen Nutzen an
die Hand geben. Der zunehmende Wettbewerb unter den „Versorgungsanbietern“ lässt den
Qualitätswettbewerb immer mehr Bedeutung erlangen. Um so wichtiger werden Methoden, die
Versorgungsqualität objektiv messbar machen und nicht nur dem journalistischen Rating überlassen.
Methoden und Interpretation der Ergebnisse der Qualitätsbeurteilung gehören zum
Themenkanon der Versorgungsforschung. Wenn wir die Veröffentlichung solcher Daten befürworten,
so müssen diese vorher zuverlässig ermittelt werden. Und die Beurteilung der Folgen von
„public disclosure“ für das Management von Qualität, für das Verhalten von Ärzten und anderen
Heilberufen sowie für Patienten ist ebenfalls ein Thema der Versorgungsforschung.
Schließlich braucht die deutsche Versorgungsforschung Anerkennung und Förderung. So begrüßenswert
die vom SVR seit Jahren empfohlene, paritätische Förderung durch Bunderministerien
und Kassen mit früher einer, jetzt ca. 3 Mio € pro Jahr auch ist, sie ist doch zu bescheiden im
Vergleich zu der 1 Mrd. $, die allein in Massachusetts von Partners Healthcare für grob vergleichbare
Zwecke aufgebracht werden. Unter dem Gesichtspunkt des Nutzens ist die Förderung der
Versorgungsforschung gut angelegtes Geld!
Prof. Dr. Dr. h.c. Peter C. Scriba
Vorsitz Wissenschaftlicher Beirat
Bundesärztekammer
Grusswort Prof. Dr. Hartwig Bauer

Unter Medizin im Allgemeinen und Chirurgie im Speziellen verstehen
wir beides: Das Gesamtgebiet der Wissenschaft und des
durch sie generierten Wissens sowie die praktische Anwendung
dieses Wissens am Patienten. Bei rascher Zunahme von ersterem
als Basis von medizinischem Fortschritt und Innovation, wachsen
die Herausforderungen für letztere, nämlich die Umsetzung in
einer am Nutzen orientierten Versorgung der Patienten bei gesicherter
Verfügbarkeit für alle. In diesem Spannungsfeld von medizinisch
Machbarem, individuellem Nutzennachweis und gesamtgesellschaftlich
Leistbarem versucht die Versorgungsforschung
patienten-, aber auch anwenderorientierte rationale Grundlagen
zu schaffen. Ihre Bedeutung ist akzeptiert, die Notwendigkeit, sie
adäquat zu fördern, eine vielstimmig erhobene Forderung. Die folgenden
Taten lassen jedoch noch zu wünschen übrig.
Von vielen Klinikern wird Versorgungsforschung schon allein deshalb kritisch gesehen, weil sie primär
auf den Nachweis ausgerichtet erscheint, dass bestimmte Maßnahmen und oft auch faszinierend
erscheinende Innovationen ohne Nutzen und damit unnötig seien. Gerade in der Chirurgie ist
es eben meist leichter zu zeigen, dass eine neue Technologie die unmittelbar methodenimmanenten
Ziele erreicht, als zu beweisen, dass ihre Anwendung dem Patienten wirklich Vorteile bringt.
Auch der wissenschaftliche Stellenwert der Versorgungsforschung birgt ein Akzeptanzproblem,
solange sich in den klinischen Fächern damit kaum Meriten verdienen lassen und sie sich im
Vergleich zur Grundlagen- oder auch zur klinischen Forschung kaum karrierefördernd auswirkt.
Um in diesem Sinne Bewusstseinsbildung zu betreiben und Anreize zu schaffen, war es der
Deutschen Gesellschaft für Chirurgie ein Anliegen, den Deutschen Kongress für Versorgungsforschung als Mitveranstalter zu fördern, um Kliniker und Vertreter der theoretischen Wissenschaften zu einem intensiveren Gedankenaustausch zusammenzuführen. Die mit dem DNVF und
DNEbM in den Vordergrund gestellte Kongressthematik soll unterstreichen, dass "Innovationstransfer: Von der Forschung zum Patienten" eine Gemeinschaftsaufgabe ist und auch nur als solche
gelöst werden kann.
Prof. Dr. Hartwig Bauer
Generalsekretär
Deutsche Gesellschaft für Chirurgie
Grusswort Prof. Dr. Prof. h.c. Edmund A. M. Neugebauer

Als kooperierender Mitveranstalter und korrespondierendes
Mitglied des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung
(DNVF) möchte ich Sie im Namen des Deutschen Netzwerks für
Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) herzlich zum VII. Deutschen
Kongress für Versorgungsforschung in Köln begrüßen.
Durch die Partnerschaft möchte das DNVF auch nach außen
dokumentieren, daß sich die Versorgungsforschung methodisch
an den Qualitätsmerkmalen der evidenzbasierten Medizin orientiert,
wobei sowohl Methoden der klinischen Epidemiologie als
auch der empirischen Sozialforschung und Ökonomie zum
Einsatz kommen. Gemeinsam gilt es die vor uns liegenden
Heraus forderungen zu meistern, wie z.B. qualitative und quantitative
Methoden und Studiendesigns sinnvoll miteinander zu kombinieren
und, wo notwendig, neue Versorgungsforschungsmethoden zu entwickeln. Ein Ziel beider Netzwerke ist es, durch unterschiedliche aufeinander
abgestimmte Aktivitäten die Patientenversorgung nachhaltig zu verbessern.
Der vor uns liegende Kongress mit dem Leitthema „Innovationstransfer: Von der Forschung zum
Patienten“ wird dazu beitragen, diesem gemeinsamen Ziel näher zu kommen. Durch die aktive
Einbindung von Mitgliedern des DNEbM, der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie als federführende
Fachgesellschaft in diesem Jahr sowie des DNVF in die Programmkommission des Kongresses
konnte ein hochattraktives und spannendes Programm zusammengestellt werden, welches durch
Methodenkurse ergänzt wird.
Anders als bei früheren Kongressen sind die Symposien thematisch interdisziplinär aufgebaut um
den Wissenstransfer zu verbessern und die unterschiedlichen Sichtweisen der Gesundheitspartner
und Mitgliedsgesellschaften besser verstehen zu lernen. Ich möchte Sie herzlich einladen sich an
diesen Diskussionen zu beteiligen.
Das Maternushaus als Veranstaltungsstätte des Erzbistums Köln bietet durch die räumliche
Ausstattung hervorragende Möglichkeiten zur Unterstützung des dringend notwendigen intensiven
Dialogs. Seien Sie uns herzlich willkommen. Ich freue mich auf Ihren Besuch.
Ihr
Prof. Dr. Prof. h.c. Edmund A. M. Neugebauer
Vorsitzender des Deutschen Netzwerks
Evidenzbasierte Medizin e.V.
Grusswort Prof. Dr. Holger Pfaff

Im Oktober 2002 fand in Köln der 1. Deutsche Kongress für
Versorgungsforschung statt. Ich freue mich ganz besonders, Sie
zum nunmehr 7. Kongress für Versorgungsforschung begrüßen
zu können.
Nicht zuletzt hat diese Kongressreihe dazu beigetragen, dass die
Versorgungsforschung in Deutschland eine wachsende Akzeptanz erfährt. Dies wird auch dadurch deutlich, dass das Deutsche
Netzwerk für Versorgungsforschung einen Zuwachs von ursprünglich 26 Gründungsmitgliedern auf mittlerweile 41 Mitgliedsgesellschaften verzeichnen kann.
Die Anforderungen an das Versorgungssystem sind seit dem
ersten Kongress nicht weniger geworden. Damals wie heute ist es
ein hohes Anliegen, eine qualitativ hochwertige, wirtschaftliche
und patientenorientierte Krankenversorgung zu gewährleisten. Bei der Optimierung des Versorgungssystems kommt dem Transfer von Innovationen in die medizinische Praxis eine besondere
Bedeutung zu. Mit diesem Kongress wird diesem zentralen Thema Rechnung getragen.
Besonders hinweisen möchte ich auf die Methodenkurse in den Bereichen Lebensqualitätsforschung, Versorgungsepidemiologie und Organisationsforschung, die
erstmals angeboten werden.
Das Programm verspricht einen regen wissenschaftlichen Austausch.
In diesem Sinne wünsche ich allen Teilnehmern drei interessante Kongresstage.
Prof. Dr. Holger Pfaff
Vorsitzender des Deutschen Netzwerks
für Versorgungsforschung e.V. (DNVF)